Service

Geänderte PTV-Formulare seit 2008

Seit dem 15.01.2008 findet sich auf dem PTV 2 Formular eine Ankreuzmöglichkeit (ohne Alternative) mit der Sie dokumentieren können, dass Sie den Bericht an den Gutachter "vollständig selbst verfasst" haben.

Nach den Psychotherapie-Richtlinien sind Sie gehalten, Ihre "Berichte an den Gutachter" persönlich zu verfassen und zu verantworten, das war schon immer so, lediglich Ihre "Erklärung" dazu in Gestalt der Ankreuzmöglichkeit ist neu. Eine Änderung der Psychotherapie-Vereinbarungen oder -Richtlinien in diese Richtung gibt es nicht, sodass die Auslegung der Begrifflichkeit offen bleibt. Was "persönlich verfassen" konkret heißt, wurde und wird daher unterschiedlich diskutiert. Möglicherweise fallen den Gutachtern allzu viele schablonenhafte Berichte auf, die an zu wenig individuelle Ausführungen denken lassen. Das würde verständlicherweise diese Initiative erklären. In den bisher maßgeblichen Artikeln zu diesem Thema von Gerlach, H.: Recht fragwürdig, Psychotherapeutenjournal, 134-136, 2/2004 und Bühring, P.: Eine Frage der Ehre, Deutsches Ärzteblatt, PP, 308-309, 7/2004 lässt sich folgende juristische Position dazu lesen (zu der es nach unserer Kenntnis keinen neuen Sachstand gibt).

Eine individuelle und kollegiale Zweiteinschätzung eines Falles in die Meinungsbildung miteinzubeziehen, wie es auch in unserer Zusammenarbeit geschieht, ist legitim und guter Brauch, wenn dabei einige unumstößliche Regeln eingehalten werden. Diese sind die Folgenden:

  1. Aus datenschutzrechtlichen Gründen muss die Patientin oder der Patient Sie autorisieren, ihre/seine Unterlagen an einen Fachkollegen weiterzugeben. Zu diesem Zweck finden Sie im Service-Bereich eine entsprechende Schweigepflicht-Entbindungserklärung. Die Anonymisierung der Unterlagen Ihrerseits ist demnach verpflichtend und darüber hinaus eine berufsethische Selbstverständlichkeit.
     
  2. In Ihrem Bericht dürfen keine faktischen Fehler vorkommen. Andernfalls machen Sie sich des "Abrechnungsbetruges" verdächtig. Es sind Fälle bekannt geworden, in denen gleiche Berichte zu verschiedenen Patienten eingereicht wurden oder auch sich wiederholende Theoriepassagen ohne individuellen Patientenbezug verwendet wurden. Bei allem Auslegungspielraum (persönliche Perspektive, nötige Raffung der Patientenangaben etc.) sind daher das Vorhandensein genügenden anamnestischen Materials und dessen faktentreue Verwendung eine Conditio sine qua non unserer Zusammenarbeit, um eine individuelle Sicht erstellen zu können.
     
  3. Selbstverständlich sind Sie gehalten unsere fachliche Auffassung an Ihrer eigenen zu messen. Eine sachlich-kritische Prüfung, Korrektur und Ergänzung unserer Einschätzung zur Präzisierung Ihrer eigenen Sicht und Veränderung ist daher eher obligatorisch, bevor Sie Ihren Bericht an den Gutachter persönlich unterzeichnen. Dass Sie dabei Ihre eigene Urteilsbildung an einer zweiten fachkollegialen Meinung entlang differenzieren, spricht eher für Ihre hohe Verantwortlichkeit im Umgang mit einem Fall. Jedoch bleibt die Übernahme der Verantwortung für die Zuverlässigkeit und Validität der Informationsgewinnung und deren Auswertung naturgemäß beim Behandler.

Darüber hinaus ist es aus unserer Sicht ein nicht nur seriöses, sondern auch fachlich sehr sinnvolles und verantwortungsbewusstes kollegiales Vorgehen, der eigenen Meinung zum Patienten noch einmal die eines erfahrenen Fachkollegen gegenüberzustellen. Dadurch werden auf diesem Wege das Fallverständnis, die Diagnostik und die Behandlungsplanung zu dieser Heilbehandlung differenzierter fundiert und ein Instrument kollegialer Qualitätssicherung kommt implizit zur Anwendung.

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, lohnt es sich, die oben zitierten Artikel zu lesen.

Albert Damm, Diplom-Psychologe

zurück

aktuelle Bearbeitungszeit -
durchschnittlich 12 Werktage
Wochen-Express nicht verfügbar
3-Tage-Express nicht verfügbar